Bonsais sind keine gewöhnlichen Zimmerpflanzen – sie sind kleine Kunstwerke in flachen Schalen. Da das Wurzelvolumen extrem begrenzt ist, spielt die Wahl der richtigen Erde eine lebenswichtige Rolle. Herkömmliche Blumenerde aus dem Supermarkt ist für die meisten Bonsais leider völlig ungeeignet.
Hier erfährst du, worauf es bei der perfekten Bonsai-Mischung ankommt.
1. Warum normale Blumenerde schadet
Normale Erde speichert zu viel Wasser und verdichtet sich mit der Zeit. Für einen Bonsai bedeutet das:
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Sauerstoffmangel: Die Wurzeln können nicht „atmen“.
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Staunässe: Die feinen Wurzeln beginnen zu faulen.
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Verhärtung: Das Wasser perlt nach einiger Zeit einfach ab, anstatt zu den Wurzeln vorzudringen.
2. Die drei Säulen der Bonsai-Erde
Eine gute Mischung muss drei physikalische Eigenschaften erfüllen:
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Gute Drainage: Überschüssiges Wasser muss sofort abfließen können.
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Wasserspeicherung: Das Substrat muss genug Feuchtigkeit halten, um die Pflanze zwischen den Wassergaben zu versorgen.
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Belüftung: Es müssen kleine Hohlräume zwischen den Partikeln bleiben, damit Sauerstoff an die Wurzeln gelangt.
3. Die wichtigsten Komponenten
Profis mischen ihre Erde oft selbst aus verschiedenen mineralischen und organischen Bestandteilen:
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Akadama: Ein gebranntes Lehmgranulat aus Japan. Es ist der Goldstandard, da es Wasser speichert, aber formstabil bleibt und Luft durchlässt.
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Lava / Bims: Diese porösen Gesteine sorgen für eine hervorragende Drainage und Belüftung. Sie zersetzen sich nicht.
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Humus / Torffreie Blumenerde: Ein kleiner Anteil organischer Materie hilft, Nährstoffe und Wasser zu speichern (besonders wichtig bei Zimmerbonsais).
4. Das richtige Mischverhältnis
Je nach Baumart unterscheidet sich die ideale Zusammensetzung:
| Bonsai-Typ | Empfohlene Mischung |
| Laubbäume (z.B. Ahorn, Ulme) | 50% Akadama, 25% Bims, 25% Lava |
| Nadelbäume (z.B. Kiefer, Wacholder) | 60% Akadama, 40% Lava/Bims (weniger Humus nötig) |
| Zimmerbonsais (z.B. Ficus) | 40% Akadama, 40% Bims, 20% hochwertige Blumenerde |
5. Tipps für den Kauf und die Anwendung
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Sieben ist Pflicht: Bevor du das Substrat verwendest, solltest du es sieben, um den feinen Staub zu entfernen. Dieser Staub würde sonst die Drainageöffnungen verstopfen.
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Fertigmischungen: Für Einsteiger gibt es hochwertige fertige Bonsai-Erden im Fachhandel. Achte darauf, dass sie körnig aussehen und nicht wie schwarzer Staub. Hier gibt es Infos zu Bonsai-Pottingerde.
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Farbindikator: Akadama hat einen tollen Nebeneffekt: Wenn es trocken wird, verfärbt es sich hellbraun. So siehst du sofort, wann dein Baum Wasser braucht.
Mein Fazit: Spare nicht an der Erde. Ein hochwertiges, mineralisches Substrat ist die Basis für ein langes Bonsai-Leben und gesundes Wurzelwachstum.
Bonsai Erde wechseln – So geht es
Das Wechseln der Erde – oft im Zuge des Umtopfens – ist für einen Bonsai wie eine Verjüngungskur. Da die Wurzeln in der engen Schale mit der Zeit den gesamten Platz ausfüllen und das Substrat seine Struktur verliert, ist dieser Schritt alle zwei bis fünf Jahre (je nach Alter und Baumart) lebensnotwendig.
Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du die Erde deines Bonsais sicher wechselst:
1. Der richtige Zeitpunkt
Der ideale Zeitpunkt ist das frühe Frühjahr, kurz bevor die Knospen zu schwellen beginnen. In dieser Phase hat der Baum genug Energie, um die Wurzeln schnell neu zu bilden, verdunstet aber über die Blätter noch nicht zu viel Feuchtigkeit.
2. Vorbereitung
Bevor es losgeht, solltest du alles parat haben:
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Neues Substrat: (z. B. eine Mischung aus Akadama, Bims und Lava), vorab gesiebt.
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Bonsai-Werkzeug: Wurzelkralle oder ein Stäbchen, eine scharfe Wurzelschere.
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Schale: Gereinigt und mit Abdecknetzen über den Abflusslöchern versehen.
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Draht: Zum Fixieren des Baumes in der Schale.
3. Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Den Baum aus der Schale lösen
Schneide vorsichtig die Haltedrähte an der Unterseite der Schale durch. Hebe den Baum vorsichtig heraus. Wenn er festklebt, kannst du mit einem flachen Messer am Schalenrand entlangfahren.
Schritt 2: Die alte Erde entfernen
Lockere den Wurzelballen mit einer Wurzelkralle oder einem Holzstäbchen von innen nach außen auf. Entferne die alte, verbrauchte Erde vorsichtig.
Wichtig: Bei Laubbäumen kannst du fast die gesamte Erde entfernen; bei Nadelbäumen sollte immer ein Teil des alten Ballens (mit den nützlichen Mykorrhiza-Pilzen) erhalten bleiben.
Schritt 3: Der Wurzelschnitt
Kämme die Wurzeln strahlenförmig nach außen. Schneide mit einer scharfen Schere die langen, im Kreis gewachsenen Wurzeln zurück. Ziel ist es, ein feines System aus Haarwurzeln zu fördern. Entferne etwa ein Drittel der Wurzelmasse. Auch spannend: Waldbaden Guide – So findest du Ruhe und Kraft im Wald
Schritt 4: Einpflanzen
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Lege eine dünne Schicht des groben Substrats als Drainage in die Schale.
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Setze den Baum ein und ziehe den Befestigungsdraht über die Wurzeln fest, damit der Baum absolut stabil steht.
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Fülle das neue Substrat ein. Stochere mit einem Stäbchen in der Erde herum, um alle Hohlräume zwischen den Wurzeln mit Erde zu füllen.
4. Die Nachsorge: Das A und O
Nach dem Erdwechsel ist der Bonsai „auf Kur“:
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Angießen: Brause den Baum kräftig ab, bis das Wasser klar aus den Abflusslöchern läuft. Das schwemmt den restlichen Staub aus.
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Standort: Stelle den Baum für ca. 3–4 Wochen an einen hellen, aber windgeschützten Ort ohne direkte Mittagssonne.
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Düngen: Warte mit dem ersten Düngen mindestens 4–6 Wochen, bis sich neue Wurzeln gebildet haben.
Häufige Fehler vermeiden
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Zu trocken arbeiten: Die feinen Haarwurzeln dürfen während der Prozedur nicht austrocknen. Besprühe sie zwischendurch mit Wasser.
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Staub in der Erde: Ungesiebtes Substrat verdichtet sofort wieder – nimm dir die Zeit zum Sieben!
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Wackeliger Stand: Wenn der Baum nicht festgedrahtet ist, reißen neue Wurzeln bei jeder Berührung sofort wieder ab.
Möchtest du wissen, wie du erkennst, ob dein spezieller Bonsai (z. B. eine Kiefer oder ein Ahorn) dieses Jahr neues Substrat benötigt?
